Wasser ist im Alltag hĂ€ufig selbstverstĂ€ndlich, kommt unbegrenzt aus der Leitung und viele denken nicht weiter darĂŒber nach. Sie als Betriebsleiter sollten dem kĂŒhlen Nass mehr Aufmerksamkeit schenken, schlieĂlich ist qualitativ hochwertiges Wasser ein wichtiger Baustein der Pferdegesundheit. Auf der anderen Seite ist das Wassermanagement eine zentrale Stellschraube in der zeitgemĂ€Ăen Pferdehaltung, sowohl aus ökologischer als auch aus ökonomischer Sicht. Hier stellen wir das Wassermanagement fĂŒr Sie mit dem Experten fĂŒr PferdestĂ€lle Klaus Hartmeyer (Sonntag Stallbau) in den Fokus.
Wasser ist essentiell in der Pferdehaltung. Wie wertvoll der Umstand ist, dass es unbegrenzt aus der Leitung kommt und TrĂ€nken, WaschplĂ€tze und Beregnungsanlagen speist, kann man vor allem derjenige richtig schĂ€tzen, der wegen eingefrorenen Leitungen von Hand trĂ€nken musste. Wassereimer-Schleppen ist zwar ein exzellentes Workout fĂŒr die Arme, aber doch recht ermĂŒdend
und hinsichtlich Arbeitswirtschaftlichkeit schlicht hoffnungslos. Zu einem gut durchdachten und zukunftsfÀhigen Wassermanagement gehört heutzutage aber mehr als nur frostsichere Leitungen und TrÀnken.
Warum beschÀftigen wir uns mit Wasser?
Klaus Hartmeyer bringt nicht nur viel Erfahrung als Planer fĂŒr Reitanlagen mit, sondern ist selbst in der Feuerwehr und im Brandschutz von Pferdebetrieben aktiv. FĂŒr ihn sind die steigenden Kosten ein Grund, warum Stallbetreiber sich mit dem Thema âWasserâ auseinandersetzen sollten. âDas Wassermanagement spielt hier genauso eine Teilrolle wie alle anderen VerbrauchsgĂŒter. Bei stĂ€ndig steigenden Kosten in allen Bereichen ist es wichtig, jede Position zu ĂŒberprĂŒfen. Hier sollten sich Betriebsleiter die Frage stellen: Woher kommt eigentlich das Wasser fĂŒr TrĂ€nken, Beregnung und Löschwasser? Wo kann ich optimieren?â Kommt das Wasser der WaschplĂ€tze und zur Beregnung von Reithalle und Reitplatz aus der Trinkwasserleitung, kann das teuer fĂŒr die Betriebskasse werden. Denn gerade an heiĂen Trainingstagen kann die Pferdedusche gerne mal lĂ€nger ausfallen. Klaus Hartmeyer bestĂ€tigt: âKunden verbrauchen gerne viel Wasser. Dabei können Pferdehufe genauso
mit Regenwasser, das mit Zisternen gesammelt und in Filteranlagen gereinigt wurde, abgespritzt
werden. Das gilt auch fĂŒr Beregnungsanlagen.â FĂŒr den Kunden sollte allerdings einsehbar sein,
dass hier kein Trinkwasser verwendet wird. Der Experte empfiehlt deshalb beim Waschplatz eine
entsprechende Beschilderung anzubringen. Um das eigene Wasserkonzept auf ein nÀchstes
Level zu bringen, empfiehlt Klaus Hartmeyer folgende Fragen: âSoll Regenwasser ins Nutzungskonzept aufgenommen werden? Welche Einzelverbraucher könnten mit Regenwasser gespeist werden? Welchen Investitionsaufwand kann ich leisten? Wie hoch ist die zu erwartende Ersparnis?â Das Thema Wasser könnte einige Betriebe in Deutschland vor allem in der Zukunft noch stĂ€rker beschĂ€ftigen. Denn wenn wĂ€hrend Trockenperioden das Wasser grundsĂ€tzlich knapp wird, könnte der Verbrauch von Trinkwasser reglementiert werden.
Regenwasser nutzen
Je nach Region sollten Betriebsleiter sich ĂŒber die geltenden Vorgaben zum Bau einer Zisterne informieren. Eine wichtige Voraussetzung, um Regenwasser in Zisternen sammeln zu können, bietet so gut wie jede Reitanlage und zwar groĂe DachflĂ€chen. Reithalle, Liegehalle, StallgebĂ€ude oder Maschinenlager, meist gleich mehrere GebĂ€ude, die dafĂŒr in Frage kommen. âSelbstverstĂ€ndlich scheiden spröde Asbestzementplatten als Dachmaterial aus, wenn es darum geht, Regenwasser zu sammeln. AuĂerdem sollten sich auf den DĂ€chern keine Bewuchs-RĂŒckstĂ€nde sammelnâ, nennt der Experte weitere Voraussetzungen. Eine weitere ist Platz. GrundsĂ€tzlich gibt es oberirdische und unterirdische Wassertanks, die zum Sammeln in Frage kommen. Bei der Planung spielt auĂerdem der Grundwasserstand eine Rolle. Sind entsprechende Rohrleitungen vorhanden oder können sie problemlos eingebaut werden, kann Regenwasser beispielsweise fĂŒr Grauwasser, also das WC, den Spritzplatz oder die Beregnungsanlage eingesetzt werden. Spezielle Filteranlagen ĂŒbernehmen
die Reinigung des Regenwassers, sodass es optisch nicht von Leitungswasser zu unterscheiden
ist. Ăbrigens birgt Regenwasser gegenĂŒber Leitungswasser einen praktischen Vorteil, der Leitungen
und DĂŒsen zu Gute kommt: Es enthĂ€lt keinen Kalk, sodass sich keine Kalkablagerungen bilden. Die
richtige Dimensionierung einer Zisterne sollte in AbhĂ€ngigkeit zum Bedarf des Betriebs und der GröĂe der DachflĂ€chen erfolgen. Auch wie schnell sich eine solche Anschaffung amortisiert, ist sehr individuell. Regenwasser zu bevorraten, birgt einen weiteren Vorteil, wie Klaus Hartmeyer festhĂ€lt: es kann im Brandfall auch als Löschwasser dienen.
Löschwasserteich
Im Brandfall muss die Feuerwehr ausreichend Löschwasser zur VerfĂŒgung haben. Ob ein Löschwasserteich verpflichtend ist, geht aus dem Fachbereich 4 vorbeugender Brand- und Gefahrenschutz, vorbeugender Umweltschutz der einzelnen BundeslĂ€nder hervor, erklĂ€rt Klaus Hartmeyer. Er fĂŒhrt aus: âBei einem Bauvorhaben möchte das Bauamt immer eine BestĂ€tigung haben, dass die benötigte Menge Löschwasser von mindestens 800 Liter/1.600 Liter in der Minute ĂŒber zwei Stunden hinweg zum Löschen zur VerfĂŒgung steht. Das sind mindestens 96 â 192 mÂł.â FĂŒr die GröĂe des Löschwasserteichs rĂ€t der Experte deshalb zu einem Mindestfassungsvermögen von 1.000 mÂł. âDie Wassertiefe sollte mindestens 2 m betragen. Zur Löschwasserentnahme muss ein Saugschacht, zumindest aber ein Saugrohr vorhanden sein, in Feuerwehr-Norm-GröĂe âAâ Sauganschlussâ, fĂŒgt der Experte hinzu. AuĂerdem muss die Saugstelle so angebracht sein, dass ein Feuerwehrfahrzeug aufgestellt werden kann. Als weitere Voraussetzungen nennt Klaus Hartmeyer einen begehbaren Weg um den Löschteich mit einer Mindestbreite von 1,10 m und eine klar erkennbare Beschilderung fĂŒr die Entnahmestelle und den Löschteich selbst. Betriebsleiter sollten zudem regelmĂ€Ăig ĂŒberprĂŒfen, ob die Wassermenge verfĂŒgbar ist. Organische RĂŒckstĂ€nde wie Laub oder Schlamm können zu Ablagerungen fĂŒhren, welche die Wassermenge reduzieren. Die Instandhaltung des Löschteichs sollten Betriebsleiter nach Meinung des Experten nicht auf die leichte Schulter nehmen.
âWenn es im AuĂenbereich brennt und es keine ausreichende Löschwasser-Versorgung gibt, können die Folgen fatal seinâ, warnt Klaus Hartmeyer, âvon der Alarmierung bis zum Eintreffen der ersten FeuerwehrkrĂ€fte hat ein Feuer so viel Zeit, sich auszubreiten, weil auf Pferdebetrieben genĂŒgend brennbares Material vorhanden ist. Dann muss womöglich entschieden werden, GebĂ€ude, die im Vollbrand stehen, mit Riegelstellungen um das GebĂ€ude kontrolliert abbrennen zu lassen â zum Schutz von Menschen- und Tierleben.â
Brunnen
Der Gedanke ist naheliegend: Leitungswasser ist teuer, aber Wasser doch â je nach Region â einfach
in der Erde zu finden. Warum nicht einen eigenen Brunnen bauen? Hier variieren die Regularien
von Region zu Region und sind bei der örtlichen Behörde zu erfragen. Oftmals muss der Bau eines
Brunnens bei der Wasserbehörde angemeldet oder sogar genehmigt werden. Je nach Region
existieren Vorgaben zur maximalen Entnahme. Das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft nennt fĂŒr den Bau eines 20-Meter-Flachbrunnens Investitionskosten von circa 10.500 Euro, wobei
fĂŒr Pumpen mit 50 mÂł/h weitere 4.700 Euro fĂ€llig werden. Soll der Flachbrunnen 40 m tief sein, nennt
das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft exemplarische Kosten von 23.500 Euro. Eine Pumpe
mit 150 mÂł/h kostet nach den dort vorliegenden Informationen 11.000 Euro. Auch fĂŒr die Wasserzuleitungen kommen auf die Betriebsleiter Kosten zu.
TrÀnkenwasser und TrÀnkentechnik
Wer Brunnen- oder gesammeltes Regenwasser als TrĂ€nkenwasser verwenden möchte, sollte dieses in regelmĂ€Ăigen AbstĂ€nden prĂŒfen lassen. âZwar gibt es beim TrĂ€nkenwasser keine detaillierten rechtlichen Anforderungen, wie etwa im Fall von Trinkwasser fĂŒr Menschen, aber einen Orientierungsrahmen bietet die futtermittelrechtliche Beurteilung der hygienischen QualitĂ€t von TrĂ€nkenwasserâ, erklĂ€rt Klaus Hartmeyer. Bei den TrĂ€nken gilt selbstverstĂ€ndlich: âSauberkeit und Hygiene sind oberstes Gebot. Die TrĂ€nkebecken sollten tĂ€glich kontrolliert und beispielsweise von Vogelkot, Staub und Pferdekot befreit sowie gereinigt werden.â TrĂ€nken hygienisch einwandfrei zu halten ist nach Erfahrung des Experten nicht bei allen Modellen einfach. Er gibt zu bedenken: âBalltrĂ€nken sind oft stark mit Bakterien belastet, da die Pferde Futterreste im Maul ins TrĂ€nkenwasser einbringen.â







